Input: Klassismus oder alles Klasse?!

Input-Reihe
Naturfreundejugend Berlin Naturfreundejugend Berlin

Verpasst?

Input-Reihe Input: Klassismus oder alles Klasse?!

Die Corona-Pandemie hat viele soziale Ungerechtigkeiten verstärkt und manche sichtbarer gemacht. Neu sind sie aber keineswegs: Die Einkommensungleichheit steigt schon lange. Ebenso wächst Armut, Gerechtigkeit in der Bildung fehlt und der Sozialstaat wird zurückgebaut. Das sind nur ein paar Beispiele für Ausschlüsse in einer Klassengesellschaft. Sie werden häufig von abwertenden Einstellungen begleitet und verschärft. Diese machen den Alltag vieler Betroffenen zusätzlich schwer.
In unserer Input-Reihe beschäftigen wir uns durch konkrete Beispiele damit, wie der Kapitalismus Ungleichheiten schafft und welche Rolle die zwischenmenschliche Ebene dabei spielt. Wir fragen uns auch: Was ist Klassismus überhaupt? Wie kann uns der Begriff dabei helfen, gesellschaftliche Verhältnisse zu verstehen und zu kritisieren? Und was kann mangegen klassistische Diskriminierung tun? Wir freuen uns auf den Austausch mit euch - egal, ob ihr zum ersten Mal von diesem Thema hört oder schon öfter mit Leuten darüber geredet habt.

Die Veranstaltungen beginnen jeweils um 19:00 Uhr. Meldet euch mit einer kurzen Mail bei rosa@naturfreundejugend-berlin.de an.

1. 24.03.2021: Einführungsveranstaltung Klasse und Klassismus
Als „Klassismus" wird die Diskriminierung von Personen aufgrund ihres sozialen Hintergrunds bezeichnet. Sie richtet sich zum Beispiel gegen Erwerbslose, Wohnungslose oder einkommensarme Menschen. Betroffene erfahren die klassistische Diskriminierung invielen verschiedenen Bereichen ihres Lebens: In der Schule oder Universität, beim Jobcenter oder im Justizsystem. Auch innerhalb der Linken kommt es immer wieder zu klassistischen Ausschlüssen. In den letzten Jahren wurde der Begriff in linken Debatten viel diskutiert: Gelingt es mit dem Konzept des Klassismus, die strukturellen Ursachen von Klassenunterschieden zu erfassen? Oder gerät hier möglicherweise die Kritik an den Klassenverhältnissen aus dem Blick? In der ersten Veranstaltung unserer Input-Reihe wollen wir gemeinsam mit euch die Entstehungsgeschichte, die politische Bedeutung und mögliche Leerstellen des Klassismusbegriffs diskutieren.

2. 07.04.2021: „In welche Klasse gehst du?“ Über das klassistische Bildungssystem in Deutschland
In Deutschland ist der Bildungserfolg von Kindern und Jugendlichen stark abhängig von der sozialen Herkunft. So ist zum Beispiel die Wahrscheinlichkeit studieren zu können deutlich höher für Kinder, deren Eltern selbst eine Universität besucht haben. In der Politik wird zwar nach „Chancengleichheit“ gerufen. Aber es zeigt sich immer wieder, dass soziale Ungleichheit sehr stark ist. Sie bestimmt nicht nur den Zugang zum Bildungssystem. Im Laufe der Schulzeit wird soziale Ungleichheit sogar noch verstärkt. In der Veranstaltung beschäftigen wir uns damit, was das deutsche Bildungssystem von Eltern abverlangt. Gemeinsam besprechen wir, welche Folgen das für Kinder und Jugendliche hat, die ohne Eltern aufwachsen oder deren Eltern diese Anforderungen nicht erfüllen können.

3. 20.04.2021: Sozialpolitik: Wie Hartz IV und Widerstand von Erwerbslosen unsere Gesellschaft formen
Bald ist es zwanzig Jahre her, dass der damalige Bundeskanzler und heutige Erdgaslobbyist Gerhard Schröder die sogenannte „Agenda 2010" verkündete. Sie war die Vorlage für die sogenannten Hartz-Gesetze. Gegen die sind einst Hunderttausende auf die Straße gegangen. Doch Hartz IV ist nicht nur für viele von Armut Betroffene zur bitteren Normalität geworden, es prägt auch das Leben aller anderen. Denn Hartz IV drückt die Löhne, sorgt für die Bereitschaft schlechte Arbeitsbedingungen hinzunehmen. Es verstärkt Ungleichheit beim Zugang zu Bildung und mindert die Chancen auf ein gutes Leben. Wie kann Hartz IV überwunden werden? Welche Kämpfe der Erwerbslosenbewegungen sind erfolgreich? Und wer waren die „glücklichen Arbeitslosen"? Darüber wollen wir mit Euch sprechen und diskutieren.

4. 05.05.2021: Klassismus im Sozialhilfesystem– Organisierter Widerstand im Jobcenter?
Bei der Veranstaltung wird die Erwerbsloseninitiative Basta von ihrer Arbeit berichten und von dem Klassismus, mit dem Erwerbslose oft konfrontiert sind. Basta gibt es, weil wir eingreifen wollen, wenn Unruhen /Arbeitslosen/Arbeiterinnenkämpfe entstehen. Wir sind dagegen als Ware be- und gehandelt zu werden vom Jobcenter. Wir unterstützen versteckte Formen der Widerständigkeit, wie sich zu drücken vor Zumutungen oder krank feiern. Derweil schauen wir mit der Beratung, das Mindeststandards nicht unterlaufen werden. Wir beraten zu Fragen rund um Hartz IV, der wissenschaftlich verordneten arme Leute Diät. Wir beraten, weil der beste Schutz des Lebens abstrakt bleibt, wenn die notwendigen Überlebensmittel fehlen. Darüber hinaus wollen wir gemeinsam Verbesserungen erreichen, wie mit unserer Wohnen Kampagne. Da ging es uns darum, alle derzeit laufenden Kostensenkungsverfahren aufzuheben, die Kostenübernahme aller Mieten für Grundsicherungsbezieher*innen zu gewährleisten und den Wegfall der Prüfung bei Neuanmietung.

5. 19.05.2021: Zur Armut verurteilt.Klassismus und die Kriminalisierung von Armut
Im Gefängnis machen von Armut Betroffene und sozial Benachteiligte einen Großteil der Insass:innen aus. In diesem Input wollen wir uns damit auseinandersetzen, wie es dazu kommt und was das mit Klassismus zu tun hat. Wie wirkt sich Kontrolle und Schikane durch Polizei, das Jobcenter und die Justiz auf die betroffenen Menschen aus? Was macht das Gefängnis mit Betroffenen? Und helfen Gefängnisaufenthalte überhaupt, Straftaten in Zukunft zu vermeiden? Dass bestimmte Menschen durch Gefängnisaufenthalte vermehrt zu „den bösen Straftäter:innen“ erklärt werden, macht etwas mit unserer Gesellschaft: Es rechtfertigt eine
Ordnung, in der manche weniger verdienen als andere. Die Entknastungskampagne der NFJ Berlin setzt sich kritisch mit dem Thema Gefängnis und Strafe auseinander und betreibt Aufklärungs- und Kampagnenarbeit zu den negativen Auswirkungen von Gefängnis für Insass*innen, ihre Angehörigen und die ganze Gesellschaft.

6. 02.06.2021: Klasse Klima?! Über die Rolle von Klassenverhältnissen in Klimakrise und -bewegung
„Bei der Klimakrise sitzen wir alle im selben Boot“, heißt es oft. Stimmt fast, nur dass einige auf diesem Boot in den Maschinenräumen schuften und ihnen das Wasser bis zum Hals steht, während andere noch entspannt auf dem Sonnendeck ihren Cocktail schlürfen. Wer verursacht die Klimakrise? Wer badet sie aus? Wir wollen gemeinsam darauf schauen, wie uns der Blick auf Klassenverhältnisse – global gesehen – helfen kann, die Klimakrise besser zu verstehen. Und dann: was tun? Mittlerweile wird jeder Gang zum Supermarkt zur Gewissensfrage: Mit welchem Kauf hat der Planet die längste Lebenserwartung? Auch in den Antworten auf die Klimakrise und in der Klimabewegung spielt Klassismus eine Rolle und es tun sich Widersprüche auf. Wir lernen unterschiedliche Perspektiven darauf kennen und diskutieren gemeinsam, wie wir damit umgehen können. Und schließlich wollen wir überlegen, wie eine so­lidarische Klimabewegung aussehen kann.

7. 15.06.2021: Doppelte Diskriminierung? Zur Verschränkung von Klassismus und Antiziganismus
"Antiziganismus weist deutliche Überschneidungen mit klassistischer Diskriminierung auf. Das zeigt sich unter anderem darin, dass Betroffene sich häufig in einer schlechteren materiellen Situation finden als andere und ihnen zugeschrieben wird, sich nicht an die Arbeits- und Leistungsgesellschaft anzupassen. Amaro Foro, ein Jugendverband von Romnja und Nicht-Rom*nja, dokumentiert diskriminierende antiziganistische Vorfälle in Berlin, um diese sichtbar zu machen und die Betroffenen zu stärken. Immer wieder berichten dabei Betroffene von klassistischen Vorfällen, zum Beispiel im Kontakt mit Behörden. Im Input wird über die Ergebnisse der Dokumentation durch Amaro Foro berichtet. Davon ausgehend wollen wir mit euch die
Verschränkung von Klassismus und Antiziganismus diskutieren.

*Antiziganismus ist eine gesellschaftlich tief verankertes System der Stigmatisierung, Ausgrenzung und Gewalt, das sich gegen Sinti:zze und Rom:nja richtet sowie gegen Menschen, die dafür gehalten werden.