ICH MÖCHTE TEIL KEINER JUGENDBEWEGUNG SEIN! Teil II - Neuköllner Salon gegen den Ausstieg

Der Salon war der traditionelle Ort bürgerlicher Öffentlichkeit. Oftmals von Frauen ausgerichtet, bot er die Möglichkeit des Räsonierens
und der Selbstverständigung – meist männlicher – politisch denkender Menschen. Wie im letzten Jahr möchten wir mit Euch den Salon
vom Kopf auf die Füße stellen und in guter feministischer Tradition das Private zum Gegenstand öffentlicher politischer Verhandlung
machen. Mit Beginn eines Lohnarbeitsverhältnisses oder der Übernahme von Sorgearbeiten für Kinder oder andere Erwachsene lassen
sich ehemals politisch engagierte Menschen immer seltener in linken Zusammenhängen blicken. Viele steigen aus. Mit dieser Reihe
möchten wir einen Raum zum Austausch über die strukturellen Bedingungen unserer Bemühungen, Lohn- und Sorgearbeit(en) zu
organisieren, schaffen, Wir wollen über widerständige Praktiken und Kämpfe um Freiräume diskutieren. Auch diesmal, im zweiten Teil
der Salon-Reihe, natürlich bei Wein, Käse und gedämpftem Licht.

*** Ab April, jeweils um 19:30h im Büro der Naturfreundejugend Berlin, Weichselstr. 13/14, 12045 Berlin-Neukölln

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18. April 2013
GETEILTES GELD – HALBES LEID? Gemeinsame Ökonomien und ihre Fallstricke
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Im Kapitalismus sind die meisten von uns dazu gezwungen, ihre Existenz durch den Verkauf ihrer Arbeitskraft zu sichern. Das kann ganz schön nervenaufreibend sein, belastet Freundschaften und bewegt viele dazu, sich aus der politischen Arbeit herauszuziehen – sei es weil keine Zeit mehr da ist oder einfach keine Kraft für weitere Kämpfe. Dieses Spiel nicht mitzumachen und stattdessen das Geld solidarisch zusammen zu schmeißen, scheint eine gute Idee zu sein. Durch gemeinsame Ökonomie entstehen Freiräume gegen den allgegenwärtigen Arbeitszwang und Verwertungsdruck. Wer Arbeit hat und gut verdient, kann diejenigen unterstützen, die vielleicht gerade nichts finden, eine Pause brauchen oder lieber ihre Energie in Arbeit stecken wollen, die nicht bezahlt wird. Aber funktioniert das auch wirklich? Und wie? Wo liegen die Fallstricke dieser praktischen Solidarität und welchen Umgang finden unterschiedliche Kollektive damit?

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6. Mai 2013
FIT UND LEISTUNGSFÄHIG UND WENN NICHT? Vorsorge, Pflege und soziale Netze
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Kaum hat man die Pickel hinter sich gelassen, droht die Arbeitskraftverwertungsmaschinerie mit ihren Risikoszenarien: „Unproduktivität“ als Super-GAU. Absichern soll sich dagegen jede_r gefälligst selbst. Angesichts prekärer Lohnarbeitsverhältnisse, einer drohenden Armutsrente mit 90 und Pflegeabfertigung im Akkord stellt sich die Frage nach Alternativen. Sind kollektive Absicherungen die Lösung? Oder leisten sie im Gegenteil dem Abbau sozialer Sicherungssysteme Vorschub? Treten an die Stelle der Versorgungsgemeinschaft Familie nun einfach „soziale Netzwerke“?

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10. Juni 2013
DIE KRITISCHEN KRITIKER UND DIE BEDINGUNGEN IHRER KRITIK
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Politische Strategien im Wissenschaftsbetrieb Die Uni ist ein Ort, der vielen Linken als einigermaßen attraktiver Arbeitszusammenhang erscheint: Sie bietet potentielle Freiräume und ermöglichtes, sich mit interessanten und politisch sinnvollen Themen zu beschäftigen. Doch die Arbeitsverhältnisse an Hochschulen sind meist katastrophal und Wissenschaftler_innen – gerade wegen der hohen inhaltlichen Identifikation – Vorreiter_innen der Selbstausbeutung. Obwohl die Bedingungen zunehmend schlechter werden, gibt es, im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern, kaum Arbeitskämpfe an den Universitäten. Warum? Wie gehen linke Wissensarbeiter_innen mit Lohnarbeit um und welche politischen Strategien wären sinnvoll?

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14. August 2013
WIE MAN‘S MACHT, MACHT MAN‘S VERKEHRT. Wenn Schule zum Thema linker Eltern wird
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Wenn die eigenen Kinder schulpflichtig werden, brettert die Institution Schule wieder mit Hochgeschwindigkeit ins eigene Leben. Plötzlich tun sich Fragen auf, mit denen man lange nicht beschäftigt war. Verdrängung, rassistische Schul-Diskurse, heteronormative Lehrinhalte, Leistungsorientierung,disziplinierende Vorbereitung von Kindern auf ein Leben im Kapitalismus werden zu alltäglichen Themen. Freie Schule oder Stino-Schule im Kiez? Den Lehrer_innen auf die Finger hauen oder sich raushalten aus der alltäglichen Schulwelt des Kindes? Oder sollten die neu gebackenen Schüler_innen irgendwie selbst ihren Weg durch diese mächtige, autoritäre, totalitäre Institution finden?

........................................................................................................................................................................................................18. September 2013
I’M A LONESOME COWBOY Selbstständigkeit – Einzeln oder im Kollektiv?
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Ob Monteur_in, Lektor_in, Künstler_in oder Gärtner_in, Selbstständige arbeiten meist allein, oft sogar in direkter Konkurrenz zu Freund_innen
und Kolleg_innen. Warum tun sich so wenige zusammen? Gelten Kollektive als überholt, gescheitert, ineffizient? Oder sind die kollektivbetriebe der 1970er-Jahre gar die Experimentierfelder neoliberalen entgrenzten Arbeitens gewesen (Stichwort Selbstausbeutung)? Zuviel Kunstkritik, zuwenig Sozialkritik? Oder machen Kollektive heute einfach keinen Sinn, weil es nichts mehr zu vergemeinschaften gibt und nur gemeinsam der Mangel verwaltet würde? Mit diesen und anderen Fragen möchten wir den zweiten Teil unserer Salonreihe beschließen.