Internationale Begegnung nach Bolivien

Im September 2012 war eine Delegation der NFJ Berlin in Bolivien und traf sich dort mit feministischen Gruppen und sozialen Basisbewegungen. Auf einem Blog haben die TeilnehmerInnen ihre Begegnungen dokumentiert, ihr seid herzlich eingeladen, dort mal vorbei zu schauen: http://bolivia2012.blogsport.de/ Ein Jahr später, im September 2013, kam uns nun das anarchafeministische Kollektiv Mujeres Creando in Berlin besuchen. Einen Bericht über diesen Teil des Austausches findet iher hier:

Kein Frieden mit dem Machismo
Austausch mit dem anarchafeministischen Kollektiv Mujeres Creando

Bis wir selbst Anfang September eine schwer übermüdete Gruppe von zehn AnarchafeministInnen aus La Paz im trashigen, neonlichtdruchfluteten Terminal des Flughafen Schönefelds begrüßten, hatten wir alle gezweifelt, dass es gelingt Mujeres Creando nach Berlin zu bekommen. Unmengen Geld waren nötig, Visabestimmungen, Kommunikationsschwierigkeiten, Zeitverschiebung und sprachlich bedingte Missverständnisse hießen weitere Hürden, die zuvor zu überwinden waren. (Wobei die erste Hürde kleiner geworden ist, aber dennoch steht.)
Im vergangenen Jahr hatten zehn Berliner NaturfreundInnen sich mit Mujeres Creando sowie vielen anderen politischen Gruppen in Bolivien getroffen. (Das Reisetagebuch befindet sich hier.) Wir wollten über den Austausch hinaus in Kontakt bleiben, Möglichkeiten gemeinsamer politischer Praxis diskutieren und das asymetrische Mobilitätsregime zwischen Nord und Süden nicht einfach hinnehmen. Denn während es für Europäerinnen mit EU-Pass und durchschnittlichem Einkommen kein Problem ist, sich für einige Zeit in Lateinamerika aufzuhalten und sich über politische Konflikte zu informieren, ist es für BolivianerInnen deutlich schwieriger nach Deutschland zu kommen. Abgesehen von den deutlich niedrigeren Einkommen, die eine Flugreise für die meisten unerschwinglich machen, sind die VISA-Bestimmungen für Nichteuropäerinnen äußerst nachteilig. Es braucht Einladungen, Bürgschaften und aus Sicht der Botschaft einen guten Grund für eine Reise nach Schengenland. Aus der Gruppe waren lediglich zwei Frauen überhaupt jemals in Europa, davon eine als Arbeitsmigrantin.
Mittlerweile liegen zwei gleichermaßen wunderschöne und anstrengende Wochen hinter uns. Es gab spannende Diskussionen unter anderem mit Hydra, LesMigras und Triq sowie Besuche im Spinnbodenarchiv und im Schwulen* Museum. An der Demonstration gegen den christilich-fundamentalistischen „Marsch für das Leben“ beteiligten sich Mujeres Creando mit einem eigens ins Deutsche übersetzen Transparent.
Darüber hinaus gab es zwei sehr erfolgreiche öffentliche Veranstaltungen in Potsdam und in Berlin, von der zweiten wird der Mitschnitt demnächst hier veröffentlicht. Ein kurzer Beitrag erschien bereits im Neuen Deutschland. (Der Artikel ist online hier nachzulesen.) Bei unserem Besuch in Hamburgs freiem Radio, FSK, entstand ebenfalls eine hörenswerte Sendung mit Mujeres Creando. Sie kann hier nachgehört werden. Leider nur auf Spanisch.
Mujeres Creando sind mittlerweile zurück. Sehr schade, andererseits werden sie in La Paz dringend gebraucht. Denn schließlich tobt in Bolivien gerade eine große Debatte über die mögliche Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen und außerdem werden die Feministinnen gebraucht, damit Evo Morales und seine MAS auch mal aus einer emanzipativen Richtung kritisiert werden.