Das sind wir - Selbstdarstellung der Naturfreundejugend Berlin

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Die NATURFREUNDEJUNGEND BERLIN ist ein parteiunabhängiger, linker Jugendverband, in dem Jugendliche selbstorganisiert herrschaftskritische Politik machen, Veranstaltungen und Aktionen organisieren oder zusammen verreisen.

Wir beschäftigen uns in verschiedenen Arbeitskreisen mit Themen wie z.B. Nationalismus, Rassismus, Sexismus, Kapitalismus und Antisemitismus und organisieren Seminare, Veranstaltungen und Aktionen zu diesen Themen.

Position.
Trotz verschiedener Standpunkte sind wir uns in einem Punkt einig: Wir finden, dass die gesellschaftlichen Verhältnisse, in denen wir leben, maßgeblich als Herrschaftsverhältnisse zu begreifen sind, die es zu überwinden gilt.
Mit Herrschaftsverhältnissen meinen wir u.a. eine ungleiche Verteilung oder den systematischen Entzug von Gestaltungsmöglichkeiten, materiellen Gütern, Freiheiten als auch von sozialer Unterstützung, die Menschen in dieser Gesellschaft z. B. wegen ihres Geschlechts, ihres jüdischen Glaubens, ihres Körpers, ihrer sozialen oder nichtdeutschen Herkunft erfahren. Auch wenn Menschen diskriminiert und benachteiligt werden, weil sie keine heterosexuelle Beziehungen führen oder wenn Kinder entmündigt werden oder gar Gewalt ausgesetzt sind, sehen wir darin den Ausdruck von Herrschaftsstrukturen.
Jenseits, der uns bekannten und alltäglichen Erfahrungen, die wir oder Freund_innen von uns mit den verschiedenen Formen von Freiheitseinschränkungen oder auch dem –zwängen gemacht haben, gehen wir davon aus, dass sich Herrschaftsverhältnisse neben der ungleichen Verteilung von Anerkennung, Chancen und Gütern in gängigen Vorstellungen, Handlungs- und Denkmustern ausdrücken. Ihre ideologischen Grundlagen prägen das Handeln und Denken jedes Einzelnen. Auch unsere Köpfe sind nicht frei von Herrschaftsdenken, deshalb erachten wir es als notwendig, sich mit der eigenen Position und dem eigenen Denken auseinander zu setzen und dies bei unserer Kritik der gesellschaftlichen Verhältnisse mit einzubeziehen um die es im Eigentlichen geht.
Wir kämpfen für in ein freies und selbstbestimmtes Leben voller Anerkennung und Unterstützung für die Einzelnen und für eine Gesellschaft, wo Bedürfnisse und Wünsche gleichberechtigt ausgehandelt werden können. In einem permanenten Prozess gesellschaftlicher Veränderung stellen wir uns den Tendenzen entgegen, die uns von diesem Ziel entfernen oder mit der Idee von einem schönen Leben für alle nicht zu vereinbaren sind. Deshalb unterstützen wir auch politische, soziale, lokale Projekte und gesellschaftliche Veränderungen, denen wir in diesem Sinne emanzipativen Gehalt beimessen.
Grundlegende Gesellschaftskritik kann unserer Auffassung nach nur jenseits der parlamentarischen Praxis und des politischen Mainstreams der Parteien entstehen. Emanzipatorische Veränderungen lassen sich dem Staat - wenn überhaupt - nur durch außerparlamentarischen Druck abringen. Daher gilt zwar dem Staat, seinen Institutionen und Akteuren uneingeschränkt unsere Kritik, er ist jedoch nicht der vorrangige Adressat unserer politischen und herrschaftskritischen Positionen.
Wir sind politisch aktiv, weil wir kapitalistische, rassistische, antisemitische, sexistische, nationalistische und andere Wirkungsweisen gesellschaftlicher Herrschaftsverhältnisse überwinden wollen. Dieser Anspruch spiegelt sich in unseren politischen Seminaren, den Kinder- und Jugendreisen, öffentlichen Aktionen und Arbeitskreisen wieder.

Kontrovers.
Bei der Naturfreundejugend entscheiden wir selbst was und wie es gemacht wird. Die Naturfreundejugend ist in ihrer Satzungsmäßigen Struktur demokratisch und dezentral aufgebaut.
Wir versuchen unsere Diskussionen möglichst offen zu gestalten. Ziel ist es, Themen so zu debattieren, dass sie für alle verständlich sind. Der Kritik am Redeverhalten der anderen und die Benennung unterschwelligen autoritären Verhaltens ist bedeutsam und dient aus unserer Sicht der Öffnung unserer Vereinsstrukturen für Interessierte.
In Berlin beschließt über alle strukturellen und inhaltlichen Fragen die Mitgliederversammlung, die ein Mal im Jahr einberufen wird. Die Mitgliederversammlung wählt den NFJ-Vorstand (LKJL). Dieser koordiniert zwischen den Mitgliederversammlungen aktuell anstehende Fragen. Diese Struktur ist kein Selbstzweck, sondern ist dazu da, die politischen Interessen der Mitglieder zu unterstützen und Konflikte auszuhandeln. Daher legen wir auch wert darauf, das Vorstandsitzungen offen sind, und das einzelne Mitglieder und Aktive auch hier an Diskussionen teilnehmen bzw. Kritik äußern.
In Arbeitskreisen der Naturfreundejugend werden politische Positionen diskutiert und kreative Aktionen oder Kampagnen erarbeitet. Die inhaltliche Ausrichtung orientiert sich an den Interessen der Aktiven. Auf diese Weise wurde zum Beispiel unsere Vorrundenaus- Kampagne durchgeführt. Dort ging es um die, Kritik einer sexistischen, nationalistischen und rassistischen Fußballkultur im Allgemeinen und die speziellen Auswüchse in Deutschland sowie im Rahmen der Männer-Fußball-WM. Der Arbeitskreis NoFortressEurope wiederum organisierte 2007 Veranstaltungen, auf denen wir gemeinsam mit verschiedenen Referent_innen über den menschenverachtende Behandlung von Asylbewerber_innen, das Grenzregime der Festung Europa und den alltäglichen und staatlichen Rassismus in Deutschland informierten und diskutierten. 2009 organisierten wir die antinationale Kampagne "Pink Rabbit".
Auf der Mitgliedersammlung 2008 wurde beschlossen, dass es zukünftig jeden Monat ein Plenum für inhaltliche Diskussionen und Vernetzung geben soll. Durch das Plenum ist ein neuer Raum für inhaltliche Diskussionen geschaffen worden. Die Plena dienen auch für Berichte aus Arbeitskreisen und sonstigen aktuellen Aktivitäten im Verband wodurch eine größere Transparenz und Vernetzung der Aktivem im Verband gewährleistet wird. Damit ist der Anspruch verknüpft mehr Kommunikation und gegenseitige Unterstützung für die Aktiven zu gewährleisten.

Emanzipativ.
Wir denken, dass es nicht ausreicht, ein diffuses Unbehagen gegen Militäreinsätze, Abschiebungen, Videoüberwachungen oder Geschlechterrollen zu empfinden. Um gesellschaftliche Verhältnisse sinnvoll zu kritisieren müssen wir zunächst ihre Wirkung und Wirkungsweisen verstehen. In unseren Seminaren nehmen wir uns Zeit, um uns intensiv mit Themen wie Antisemitismus, Sexismus, Rassismus oder Kapitalismus auseinanderzusetzen.
Selbstbestimmtes und antiherrschaftliches Handeln entsteht in dieser Gesellschaft nicht einfach so. Vor allem dann nicht, wenn es sich um Bereiche des alltäglichen Lebens handelt, die von Repression geprägt sind. Das betrifft für uns nicht nur den Bereich der Schule, wo Schüler_innen der Willkür von Lehrer_innen. Auch den in der Gesellschaft verbotenen Konsum von Drogen oder die Normierung und Kontrolle von Sexualität. Herrschaftskritik heißt für uns z.B. gängige moralische und politische Vorstellungen kritisch zu reflektieren und uns ein eigenes Bild der Situation zu machen.
In politischen Seminaren findet die kleinteilige inhaltliche Arbeit zu unseren Schwerpunktthemen und zu aktuellen Debatten statt. Die Seminare finden meist über ein ganzes Wochenende statt, damit genug Zeit für kontroverse Diskussionen zur Verfügung steht. Die Themen unserer Wochenend- und Tagesseminare reichen von den Grundlagen, z.B. des Feminismus oder der Kapitalismuskritik bis hin zu kontroversen brandaktuellen Problemen. Neben der Auseinandersetzung mit den Gesellschaftlichen Verhältnissen geht es uns darum, emanzipatorische freiheitliche Alternativen zu entwickeln. Außerdem bieten wir aber auch praktische Seminare an: Schüler_innenvertretungs-Seminare, Rhetorikseminare, Layout und Grundlagen politischer Arbeit.
Zeitungen und Flugblätter sind ein wichtiges Instrument, um Menschen über gesellschaftliche Missstände aufzuklären. Wir informieren deshalb mit unserer Zeitung ‚submarine’, mit themenspezifischen Flugblättern und Hintergrundbroschüren, wie dem antirassistischen Schülermagazin ‚kein mensch ist illegal’ zu wichtigen aktuellen Themen. In einer Themen-Submarine kritisierten wir zum Beispiel den Hype um die Fußball-Großveranstaltungen, die nationalistischen Tendenzen vieler Fußballfans, den Zwang ‚für Deutschland zu sein’ und die sexistische Behandlung fußballspielender Frauen.

Selbstorganisiert.

Neben der kontinuierlichen Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Verhältnisse möchten wir auch Freiräume schaffen, in denen wir gemeinsam jenseits von alltäglichen Zwängen Spaß haben, unser Leben gestalten und genießen können.
Die Naturfreundejugend bietet Kinder- und Jugendreisen sowie selbstorganisierte Reisen für Mitglieder und Interessierte an. Unser Angebote reicht von Kanureisen, über Strandurlaub bis hin zu Camps mit politischen Arbeitsgruppen und Aktionen. Ziel ist es, auch Kindern und Jugendlichen aus einkommensschwachen Familien Freizeit und Spaß weit weg von Berlin und der Autorität der Eltern zu ermöglichen. Einmal im Jahr organisieren wir ein großes linkes Sommercamp. Hier kann faules Abhängen am Strand mit der Diskussion antirassistischer, antimilitaristischer oder antikapitalistischer Themen verbunden werden. Entspannter Urlaub mit politischen Aktivitäten!
Außerdem unterhalten wir intensiven Kontakt zu internationalen Partnerorganisationen und pflegen diese in Austauschreisen z.B. nach Südafrika, Israel oder Russland. Wir versuchen eigene national-beschränkte Sichtweisen zu überwinden und gemeinsam mit anderen grenzüberschreitende politische Kritik zu entwickeln. Zudem organisieren wir solidarischen Protest gegen die deutsche und gegen ausländische Regierungen, z.B. wenn wir zur Unterstützung einer aus Deutschland ausgewiesenen staatenlosen Familie nach Bukarest fahren oder zum Christopher Street Day nach Warschau reisen, um gegen Homophobie zu demonstrieren.
Bei allen Reisen wird Selbstorganisation und Emanzipation mit einer Menge Spaß und Faulenzen verbunden. Die Naturfreundejugend bietet Teamer_innenausbildungen an, die für alle Interessierten offen sind und auf denen Themen wie Selbstorganisation, antirassistischer und antisexistischer Umgang im Mittelpunkt stehen. Wir sind Mitglied im Dachverband Naturfreundejugend Internationale (International Youth Naturefriends, IYNF), die internationale Struktur von 27 Naturfreundejugend Organisationen.

Laut. Originell. Verwirrend.
Mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen, langfristig angelegten Kampagnen und in Bündnissen mit anderen Gruppen möchten wir möglichst viele Menschen erreichen und auf unsere Positionen aufmerksam machen. So störten wir viele Male das Bundeswehr-Gelöbnis in Berlin um auf den autoritären Charakter der Bundeswehr, wo Emanzipation und eigenes Denken keinen Platz haben, aufmerksam zu machen. Militär und Militarismus sind für uns das genaue Gegenteil einer freien Gesellschaft. Deswegen setzen wir uns für die Abschaffung der Bundeswehr und gegen Zwangsdienste aller Art ein. Gelöbnisse symbolisieren Autoritätshörigkeit und Gleichschaltung und knüpfen an eine Tradition an, in der demokratische Werte mit den Füßen getreten wurden.
Bei unseren Aktionen verbinden wir Spaß und Öffentlichkeitswirksamkeit miteinander. Wir stiften Verwirrung, wenn wir verkleidet als Lufthansa Reisebegleiter_innen auf der Internationalen Tourismus Börse in Berlin Flyer verteilen, auf denen wir die Beteiligung der Lufthansa an Abschiebungen skandalisieren. Wir organisieren Aktionen gegen Arbeitszwang, gesundheitliche Normierung oder Überwachungskameras an öffentlichen Plätzen. Wir beteiligen uns an Demonstrationen gegen Naziaufmärsche, argumentieren in Schulklassen gegen Nationalismus und das Bedürfnis ‚Stolz Deutscher zu sein’ und wir wirken mit kritischen Positionen in der Öffentlichkeit, z.B. in aktuelle Debatten Entschädigungszahlungen und geschichtsrevisionistischem Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit.
Auch die Männer-Fußball WM bot für eine breite Kampagne die ideale Gelegenheit. Im Hype um Fußball spiegeln sich Nationalismus, Rassismus und Sexismus wieder. Durch Informationsflyer, provokative Aktionen und Diskussionsveranstaltungen haben wir die WM nicht tatenlos an uns vorbei streichen lassen. In dem wir das zum Thema machten, was „dem Deutschen“ sein Liebstes ist, erregten wir Aufmerksamkeit, häufig Empörung und manchmal Sympathie.
Aber natürlich stehen wir mit unseren Forderungen häufig nicht allein. So suchen wir immer wieder Kontakt zu anderen linken Gruppen in Berlin und anderswo, um gemeinsam auf Missstände aufmerksam zu machen. Ihr findet uns auf Antifa-Demonstrationen genauso wie bei Demonstrationen am 3. Oktober, um gegen das nationalistische Aufgebot der deutschen Mehrheitsbevölkerung zu demonstrieren. Wir beteiligen uns auch an bundesweiten Bündnissen wie dem ‚Kein Mensch ist Illegal’ Netzwerk oder der ‚Deportation Class’ Kampagne.

Blümchenpflücker oder was?
Und warum heißt ihr Naturfreundejugend? Dies ist wohl die häufigste Frage, der sich Aktive immer wieder stellen müssen. Die Naturfreundejugend hat ihren Ursprung in der Arbeiterbewegung Anfang des 20. Jahrhundert. „Den arbeitenden Menschen aus grauen Städten den Zugang zur Natur zu erschließen“, war das Ziel der Gründergeneration der NaturFreunde vor über 100 Jahren. Von Beginn an verbanden die Naturfreunde emanzipierte Freizeitgestaltung mit gesellschaftspolitischen Forderungen nach dem Acht-Stunden-Arbeitstag, Bewegungsfreiheit und gleichberechtigten Lebens- und Arbeitsbedingungen. Als Gegengewicht zur bürgerlichen Erziehung wurde 1926 die Naturfreundjugend gegründet. Nur ein gebildetes Proletariat würde die eigenen Fesseln reflektieren und zerschlagen können. Somit hatte die Naturfreundebewegung zu Beginn weniger etwas damit zu tun, was wir heute unter Umweltschutz verstehen, als mit der Befreiung des Proletariats und der Erkämpfung gesellschaftlicher Freiräume.